6. future!publish: Berlin – 14./15. Januar 2021

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30
Mrz

Lesen in der Quarantäne – Teil 6

Im sechsten Teil unseres Quarantäneblogs soll ein Verleger zu Wort kommen, dessen Geschäftsmodell sich in Teilen gründlich unterscheidet von anderen Wettbewerber*innen, den aber das Home Office ereilt hat wie uns alle: Hans-Joachim Jauch vom Calvendo Verlag.

Wir haben ihn befragt nach seinen aktuellen Bestsellern und danach, wie er mit der Krise umgeht. Eine nicht unwichtige Rolle spielt dabei ein Mops im Froschkostüm. Aber lest selbst!

Wie arbeitet es sich im Home Office? Was hat sich für Dich im Alltag besonders verändert?

Mir fehlen die Kolleg*innen und der direkte Austausch! Wir haben zwar tägliche Videokonferenzen zu definierten Zeitpunkten. Und wir machen digitale Ad-hoc-Treffen. Die Bürosituation können wir aber so nicht einfach nachbilden. Im Büro sind die Türen fast immer offen. Man steht auf, geht rüber, besucht die Kolleg*innen. Das geht im Moment natürlich nicht, zumal wir leider auch Corona-bedingte Personalausfälle haben.

Hast Du Tipps für Kolleg*innen in der Branche, wie man kreativ mit der aktuellen Situation umgehen kann?

Wir haben einige interne Dokumente, mit denen wir in der Firma arbeiten, auf „öffentlich“ gestellt. So können alle besser von zu Hause darauf zugreifen, ohne zusätzlichen technischen Aufwand. Unsere Brainstormings haben wir z.B. in die Google-Docs verlagert. Das funktioniert eigentlich ganz gut. Es gibt zudem mehr Entscheidungsbedarf am Wochenende, weil es die Situation akut erfordert.

Die Arbeit geht natürlich weiter, jedoch an einigen Stellen nur im Notbetrieb. Und die Beschäftigung mit den Arbeitsthemen hat bisweilen etwas Gutes. Denn sie lenkt ein bisschen ab von der Ursache der Heim-Quarantäne ab …

Du bist Verleger bei Calvendo. Kannst Du uns etwas über Dein Geschäftsmodell verraten? Ist es vielleicht sogar „krisenfester“ als andere Verlagsmodelle?

Wir sind ein Kalenderverlag. Wir sind aber auch eine Autorenplattform und Anbieter von Print-on-Demand-Produkten, mit denen Kalenderbilder gedruckt werden. Das sind beispielsweise Puzzles, Fototapeten und Leinwände. Die Mehrfachverwertung und Diversifizierung von Verlagsinhalten betreiben wir seit der Gründung von Calvendo.

Im Moment verändert sich die Nachfrage stark! Klassische Verlagsprodukte verkaufen sich leider nicht so gut – zum Beispiel, weil die Läden schließen mussten. Dafür sind unsere Puzzles im Onlinehandel so gefragt wie sonst nur zur Weihnachtszeit! Leider mussten wir allerdings die Bestellvolumina drosseln, saisonbedingt und wegen Corona … Wir bräuchten jetzt Materialmengen, die sonst vor nur im Weihnachtsgeschäft zur Verfügung stehen.

Aber insgesamt sind wir durch POD viel flexibler als andere, die nur auf Lagerware setzen. Das ist auch für unsere Händler ein Vorteil, weil wir ab Produktionsort im Namen der Händler die Waren an deren Endkunden verschicken können. Solange DHL und andere ihren Lieferservice aufrechterhalten, passt das.

Was verkauft sich denn im Moment besonders gut?

In diesen dunklen Tagen bestellen die Leute gerne lustige Sachen. Einer unserer Bestseller: ein Mops im Froschkostüm, zum Puzzlen. Humor und Hobby-Themen sind wichtig. Danach suchen die Leute. Landschaften, die üblichen Bestseller, sind nicht so gefragt – wohl, weil wir gerade nicht reisen können. Lustige Tiermotive hingegen laufen gut. Die Leute wollen gerade kleine Fluchten antreten, sich amüsieren, sich etwas ablenken.

Vielen Dank für diesen Einblick in Deine Arbeit! /mv

Unser Gesprächspartner

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans-Joachim Jauch/Calvendo