3. future!publish: Berlin – 25./26. Januar 2018

future!publish - Blog

30
Okt

Unsere Referenten stellen sich vor: Edgar Rodehack

Edgar Rodehack bietet am 25. Januar einen Workshop zum Thema „Der agile Change – Veränderungen flexibel gestalten“ an.

 

Wer bist du?

Tja, wer bin ich? Auf meine Website habe ich geschrieben: „Agiler Organisationsberater, Teamentwickler, Coach und Moderator. Und: Mensch mit drei Kindern und einer Liebe zu Musik, Literatur und Reisen.“ Dem kann ich wenig hinzufügen. Mein berufliches Betätigungsfeld sind seit einiger Zeit die sogenannten agilen Organisationsformen. Das folgt einer gewissen inneren und äußeren Logik. Denn es entspricht meiner persönlichen beruflichen Entwicklung, die aber natürlich nicht abgekoppelt von allgemeinen Umständen ist. Es scheint, als könnten viele Firmen die aktuell anstehenden Herausforderungen mit den bisherigen organisatorischen Routinen weniger gut lösen. Also gibt es heute ganz einfach ein enormes allgemeines Interesse an anderen agilen Formen der Zusammenarbeit. Hier komme ich dann mit meinen Kolleginnen und Kollegen vom „Common Sense Team“ und „SCRUMevents“ ins Spiel, indem wir helfen, gute, authentische, agile Lösungen zu finden. Was uns dabei hilft, ist, dass wir gewisse Erfahrungen selbst schon einmal durchgemacht haben.

Warum unterstützt du die future!publish als Referent/in?

In der Zusammenarbeit und im Fortkommen ist der Austausch untereinander das A und O. Das gilt gerade für unsichere Umbruchzeiten, in welchen wir uns gerade befinden. Heute ist es also besonders wichtig, verschiedene Perspektiven zusammenzubringen, um vom allgemeinen Wissen zu profitieren. Allerdings ist es genauso wichtig, dass man sich nicht gegenseitig ständig die gleichen Geschichten erzählt. Zum Beispiel, indem man ein allgemeines Wehklagen über schlechte Zeiten anstimmt. Wir wissen alle, dass gerade die Buchbranche hierzu neigt. Die Gefahr ist, dass so wichtige Veränderungsschritte verzögert werden. Deshalb unterstütze ich die future!publish. Denn sie setzt hier ganz bewusst einen wohltuenden Kontrapunkt. Mit einer guten Ausrichtung, guten Themen, guten Leuten. Insgesamt also ist es der gute, professionelle und sehr angenehme Rahmen, den ich schätze. Das macht Spaß.

Was wünschst du dir von der future!publish oder was erhoffst du dir von ihr?

Wie jedes Jahr: einen anregenden Input, gute Gespräche und einen fruchtbaren Austausch. Meine Wünsche wurden bislang immer erfüllt.

Welche Entwicklungen und/oder Trends in der Verlags-, Kultur- und Kreativwirtschaft allgemein findest du besonders spannend?

Es freut mich zu sehen, dass auch in meiner Heimatbranche die Dinge in Bewegung geraten, vor allem dass auch agile Ideen diskutiert, mancherorts sogar auch schon entsprechende Strukturen ausprobiert werden. Es sind zwar nur die ersten Gehversuche, ja. Die aber sind die schwierigsten, wie wir alle wissen. In der besonders hierarchiegetriebenen Buch- und Medienwelt ist das eine beachtliche Leistung – die natürlich nicht ganz ohne Not erfolgt. Wir sind heute alle gefordert, neue Wege auszuloten und die Dinge anders zu tun. Vielleicht gilt das für die Buchwelt besonders, die anders als andere Branchen gleich in vielerlei Hinsicht vom digitalen Wandel betroffen ist. Also wird es jetzt darauf ankommen, ob Verlage und Buchhandlungen das Experiment der agilen Gehversuche weiter wagen und weitere Schritte folgen. Das finde ich sehr spannend. Denn ich bin überzeugt, dass davon die Existenz vor allem vieler Verlage abhängt.

Was sind deine Stichworte für die Verlags-, Kultur- und/oder Kreativwirtschaft im Jahr 2018?

Experimente machen. Umorganisieren. Neue Wege gehen.

Was wünschst du dir für die Verlags-, Kultur- und/oder Kreativwirtschaft für das Jahr 2018?

Dass sie sich auf ihre Stärken besinnt: unglaublich treue und interessierte Kundschaft, engagierte und motivierte Überzeugungstäter als MitarbeiterInnen und Autoren, Geschichten erzählen, abgesichertes Wissen bieten. Und dass sie den Mut haben, ihre Veränderungskraft zu mobilisieren, um hinderliche Strukturen zugunsten einer besseren, motivierenderen, leistungsfähigeren Zusammenarbeit abzustreifen. Ich wünsche der Branche, dass sie sich neu erfindet, damit sie ihre Geschichten (wieder) so an die Leser oder Inhaltekonsumenten bekommt, dass sie zufrieden sind und dafür zahlen.

Welches Thema / welche Entwicklung der Buchbranche liegt dir besonders am Herzen und warum?

Naja, mein Hauptfokus sind gute Formen der Zusammenarbeit. Denn gemeinsame Unternehmungen – also jede Firma, jede Abteilung, jedes Team – können eben auch nur gemeinsam gut werden. Also geht es mir darum, dass Menschen im gemeinsamen Zusammenspiel mit Freude gute Ergebnisse produzieren, auf die sie stolz sind. Ich kann mich täuschen, mein Eindruck aber ist, dass dies nicht mehr überall in der Branche gegeben ist. Der Erfolgsdruck in den Verlagshäusern ist sehr hoch und vielerorts wird versucht, mit noch mehr Druck bessere, am besten innovativere Ergebnisse zu erzielen. Das birgt viel Frustpotenzial und auch die Gefahr, dass die Menschen in der Branche auslaugen. Mir ist es ein Herzenswunsch, dass möglichst viele meiner Kolleginnen und Kollegen in diese Falle eben nicht tappen und sie rechtzeitig ihre Art, zu arbeiten, ändern. BEVOR sie ihren Spaß und ihre Energie verlieren.

Welchen Entwicklungen stehst du eher kritisch gegenüber?

Offen gestanden kann ich zu konkreten aktuellen Entwicklungen schwer Stellung beziehen. Generell aber habe ich den Eindruck, dass Verlage nach wie vor – trotz E-Book und Apps – strategisch stark in der Produktkategorie „Buch“ statt „Text“ oder „Inhalte“ denken. Das ist für mich nachvollziehbar, schließlich ist es seit Langem der Ast, auf dem sie sitzen. Allerdings wird dieser Ast – um im Bild zu bleiben – zusehends morsch. Deshalb fände ich es schön, wenn sich Verlage ein neues Standbein aufbauen, indem sie kreativ werden und sich insgesamt mehr trauen. Was hindert sie daran, in anderen Text-, Produkt- oder auch Vermarktungs-Kategorien zunächst auch nur zu denken? So könnten sie – in ihrem Kernthema „Geschichtenerzählen“ – vielleicht neue Märkte erschließen oder auch den einen oder anderen Kunden wiedergewinnen. Ich denke da z.B. an den großen Bereich der Computerspiele, wo heute ein großer Teil der „Leser“ sich Geschichten erzählen (lassen)? Wo eröffnen sich uns als Verlag mit unseren Kompetenzen neue Geschäftsmöglichkeiten? Ich sage nicht, dass sich selbst neu zu erfinden, einfach ist. Aber Ideen sammeln und Möglichkeiten ausmalen, wie sie zu verwirklichen sein könnten? In einer kreativen Branche sollte das doch möglich sein, oder?